Start Asyl-Arbeit Gruppen Jugendarbeit Aktionen Freizeiten Haus Über uns Sponsoren Links Impressum
CVJM Asyl-Berichte

Internationale Adventsfeier am 4. Advent

"Man muss hingehen und die Menschen abholen"

Zum "Internationalen Adventsfest" des CVJM kamen am Sonntagabend Asylbewerber und Flüchtlinge aus aller Welt ins Gemeindehaus. Sie feierten gemeinsam mit Mitgliedern der Gemeinde den 4. Advent.

Sie kommen aus Afghanistan, Algerien, Namibia, Gambia, Eritrea, Somalia, Ägypten, Irak und Syrien, sie sind Moslems oder Christen oder auch anderer Religionszugehörigkeit. Eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind fremd in unserem Land, und fremd sind unsere Sitten und Gebräuche.

Weihnachten macht da keine Ausnahme. Die Geschichte vom Jesuskind in der Krippe kennt hier jedes Kind, doch für die Menschen, die aus meist moslemischen Ländern hier Asyl suchen, ist sie ein "Buch mit sieben Siegeln" und Weihnachten ein völlig fremdes Fest.

Eine gemeinsame, internationale Adventsfeier stand nicht zuletzt deshalb auf dem Programm des Asyl-Teams des Münsinger CVJM. Teilgenommen haben daran am Sonntag überraschend viele: An die hundert Asylbewerber aus dem Alten Lager kamen zur Feier ins evangelische Gemeindehaus, und viele Gemeindemitglieder nahmen ebenfalls an den Tischreihen Platz. "Frohe Weihnachten", in vielen Sprachen per Beamer an die Wand geworfen, begrüßte eine wahrliche internationale Gästeschar.

Frank Hintzenstern wiederum, der mit einem kleinen Team die Feier federführend oranisiert hatte, konnte sich bei seiner Begrüßung auf die Mithilfe von zwei Dolmetschern verlassen: "Bitte lasst Euch ein, nehmt an unseren Traditionen teil, auch wenn sie ungewohnt und neu sind", bat er die fremden Gäste herzlich und lud zu gemeinsamem Singen, Essen und Beisammensein ein. Nach dem Motto "Wir teilen, was da ist" war ein einladendes und mit vielen Leckereien bestücktes Büfett entstanden.

Viele hatten dazu etwas beigetragen und bewirteten die Gäste aus den fremden Ländern später gerne mit Speisen und Getränken. Zuvor aber ließen sich alle Teilnehmer von Musik, gemeinsamem Gesang und der von Frank Hintzenstern in einfachen Worten aufbereiteten Weihnachtsgeschichte in heimelige Adventstimmung versetzen.

Das Friedenslied "We shall overcome" und den internationale Weihnachtsklassiker "Stille Nacht" konnten viele der Gäste mitsingen. Zur Freude aller präsentierte Carolin Cabbad aus Syrien, die mit ihrer Familie schon seit zwei Jahren in Münsingen lebt, das Lied auch spontan in seiner arabischen Version.

All dies ergab einen schönen Rahmen für die gemeinsame, internationale Adventsfeier. Dass so viele Gäste aus dem Alten Lager gekommen waren, führte Franz Pfleiderer auf die ganz persönlichen Einladungen zurück: Ein Aushang reicht nicht, hat er inzwischen erfahren. Man muss hingehen und die Menschen "abholen". "Nicht warten, nicht erwarten, sondern sich öffnen und aktiv werden" ist sein Tipp, um Flüchtlinge und Asylbewerber in örtliche Aktivitäten oder Angebote einzubinden und aufzunehmen. Dies hat auch bei der Adventsfeier, unterstützt mit einem privaten Fahrdienst, prima geklappt.

Alb-Bote 22.12.15 Frau Sabine Herter





Heute Morgen hatte ich die Gelegenheit, mir einen persönlichen Eindruck von der sehr begeisternden und wertvollen Arbeit mit und bei den Flüchtlingen im Alten Lager zu machen. Ich war sehr beeindruckt, mit welchem Engagement und welcher Liebe die Mitarbeiter sich um diese Menschen kümmern, die Schreckliches erlebt haben und mit nur sehr Wenigem hier nach Deutschland gekommen sind. Klasse, dass sie nicht nur in der Kleiderkammer Kleider und Schuhe bekommen, sondern immer auch noch ein freundliches und wertschätzendes Wort, einen Kaffee oder eine Möglichkeit, Tischkicker oder andere Spiele zu spielen. Beeindruckt hat mich sehr, dass es offensichtlich nicht auf besondere (Sprach)Kenntnisse ankommt, sondern man mit relativ wenig Aufwand (d.h. vor allem Zeit) anderen Menschen sehr viel Gutes tun und ihnen dienen kann. Das ist für mich gelebter und anpackender Glaube. Danke für all euren Einsatz!!! Schade, dass der Weg für mich so weit ist, sonst würde ich öfter kommen und mit anpacken.

Stefan Bitzer, Reutlingen


Weltpolitik im Wohnzimmer

Infos aus erster Hand: Die Auinger Familie Benz und ihre Gäste aus Syrien

Wenn es um das Thema Flüchtlinge geht, können Manfred und Sandra Benz aus Auingen mitreden. Die Gäste, die sie bei sich zu Hause aufgenommen haben, kommen aus dem kriegszerstörten Syrien.


GUDRUN GROSSMANN Alb-Bote 26.01.2016

Auingen. Es ist ein Unterschied, ob man in wohliger Wärme auf das Inferno schaut, das über den Bildschirm flimmert, oder ob das Weltgeschehen auf eine andere Art Einzug ins Private hält. Manfred und Sandra Benz aus Auingen können es sich gut vorstellen, was es bedeutet, ein wohlgeordnetes Leben hinter sich zu lassen, jahrelang innerhalb des eigenen Landes zu fliehen, um schließlich als letzte Möglichkeit den gefährlichen Weg nach Europa anzutreten. Ein millionenfaches Schicksal.

Sie kennen die Geschichte von Maisoun und ihren Söhnen. Die Frau aus Damaskus hat sie ihnen persönlich erzählt. Auf dem Wohnzimmertisch der Auinger Familie liegt ein Buch von Peter Scholl Latour. Titel: „Arabische Stunde der Wahrheit.“ Manfred Benz, der als Forstwirt für den früheren Truppenübungsplatz verantwortlich ist, dort jeden Winkel kennt, könnte ohne weiteres auch ein Referat über die Gebietsansprüche im Nahen Osten halten, über Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Schiiten, Alawiten, Sunniten, Ibaditen und erklären, warum die Lage so undurchschaubar ist. Wenn über Flüchtlinge diskutiert wird, kommt er auf den „verschwenderischen Lebenstil in den westlichen Ländern“ zu sprechen, den „gigantischen Ressourcenverbrauch“. Alles auch Fluchtursachen. „Selbst die damit verbundene Klimaerwärmung wird die Verlierer auf der Welt noch härter treffen als uns.“

Er hat sich mit diesen Themen befasst, bevor der Entschluss fiel, eine syrische Familienzusammenführung unter seinem Dach zu ermöglichen. Als Maisoun dann spät in der Nacht mit ihrem sechsjährigen Sohn Ali in Auingen eintraf, trat das Wissen in den Hintergrund. Es ging einfach um eine Frau, die sich sofort wohl fühlte und gespürt hat, dass sie bei Menschen ist, die sie mit Offenheit und Herzlichkeit aufnehmen. Aufgrund der unkomplizierten Art ihrer Gastgeber herrschte von Beginn an eine gelöste Atmosphäre.

„Wir waren natürlich sehr gespannt“, erzählt Manfred Benz. Wie so oft, fanden alle, besonders die Kinder, schnell zusammen. Manuel (9), Henrik (8) und die fünfjährige Amelia spielten mit Ali, als ob dieser schon immer dazu gehören würde. Sandra Benz: „Als sie den ersten Schneemann gebaut haben, wollte Ali gar nicht mehr reinkommen. So hat ihn das begeistert.“

Mit Maisouns Söhnen aus erster Ehe, Imad (17) und Waleed (21), die seit einigen Wochen im Alten Lager in Auingen leben, sind sie nach Ulm gefahren, an den Blautopf oder nach Ehingen, wo es einen Laden mit einem Angebot für arabische Kunden gibt. Das Staunen über die schönen alten Fachwerkhäuser im Fischerviertel oder das Deckengewölbe im Münster hatte Maisoun mit den vielen Touristen gemein und doch täuschte diese Unbeschwertheit nicht darüber hinweg, dass sie große Sorgen plagen. Ihr erster Mann, ein Mechaniker, ist noch im Land und schwer herzkrank. Eine Flucht würde er nicht überleben, der Familiennachzug ist ungewiss. Der Vater von Ali könnte einreisen, aber auch hier liegt noch keine Entscheidung vor. Er ist Professor für Physik und lebt in Damaskus. Dass Frau und Sohn, die drei Älteren, Tareq (er arbeitet in Dubai), Imad und Waleed in Sicherheit sind, hatte oberste Priorität.

Waleed und Imad drohte die Gefahr, in der Armee dienen zu müssen. Oder für den Kampf der Nationalen Koalition der syrischen Revolution rekrutiert zu werden. In einem Land, in dem mehr als hundert bewaffnete Rebellengruppen agieren, IS-Terror herrscht und die Nusra-Front aktiv ist, kann der Befehl von jeder Seite kommen. Maisoun: „Je nach Straße werden die jungen Männer von der oder einer anderen Gruppierung geholt.“ Tausende werden verschleppt, gefoltert und getötet. Oder fallen im Kampf.

In den Abendstunden haben sie auch viel über das „alte Leben“ gesprochen. Wie es war, vor dem Krieg. Maisoun ist Lehrerin. Sie unterrichtete Arabisch und Mathematik. Familie, Unabhängigkeit („ich hatte ein eigenes Auto“), ein sicheres Einkommen. Es ging ihnen nicht schlecht. In ihrem großen Freundeskreis habe die politische Haltung oder die Religion keine Rolle gespielt. „Heute sind alle in ganz Europa verstreut.“ Sie selbst saß mit Ali in einem dieser kleinen Boote, zusammengepfercht wie Vieh, hoffend, das andere Ufer lebend zu erreichen. Jedem sei bewusst gewesen: Das Mittelmeer ist ein Massengrab. Da sie Probleme mit der Hüfte hat, war auch der weitere Weg über die Balkanroute eine Tortur. „Überall waren die Menschen sehr unfreundlich.“ Dieses Bild änderte sich in Passau. Sie weint fast, als sie davon erzählt. „Dort haben sie ein Schild hochgehalten. Auf dem stand in arabischer Schrift Ahlan w sahlan.“ Willkommen. „Da wusste ich, dass ich angekommen bin.“ Auch die Polizisten seien „sehr freundlich und hilfsbereit“ gewesen.

Sie kam in ein Erstaufnahmelager in Nostorf, nahe der polnischen Grenze, ihre Söhne, die schon zuvor geflüchtet waren, landeten im Schwäbischen. Dass sie sich jetzt in Auingen für zehn Tage treffen konnten, empfindet Maisoun als großes Glück. Ihr Ziel ist es, baldmöglichst in den Süden zu ziehen. „I like Münsingen“, sagt sie. Es sei zwar kalt, aber die Menschen seien alle sehr nett.

Manfred und Sandra Benz werden sie bei ihren Plänen unterstützen. Das gilt auch für die Söhne. Waleed ist gelernter Friseur. Er kann es kaum erwarten, bis seine Mutter wieder in den Süden kommt. „Imad ist sehr wissbegierig“, sagt der Auinger. „Er sucht den Kontakt zu Gleichaltrigen, um deutsch zu lernen.“ Der junge Syrer nickt. „Und ich möchte endlich wieder zum Unterricht.“ Vor drei Jahren wurde seine Schule in Syrien bei einem Bombenanschlag vollkommen zerstört, Bücher und Zeugnisse sind vernichtet. Der Siebzehnjährige wartet sehnsüchtig darauf, dass im Alten Lager wieder ein Sprachkurs beginnt. In der Zwischenzeit läuft er. Gemeinsam mit einer Auinger Gruppe, die sich regelmäßig zum Training trifft. Auch dabei kann man vergessen. . .

Mirwais und Sebastian sind seit dem Sommer gute Freunde

Der junge Afghane aus Kabul und der Student aus Münsingen lernen sich in einem Supermarkt kennen. Der Zufall will es, dass die beiden jungen Männer in einem Supermarkt an der Kasse stehen – und sich auf Anhieb gut verstehen.

Münsingen. Mirwais Noori wächst in der 3,3-Millionenstadt Kabul auf, Sebastian Winkler im beschaulichen Münsingen auf der Schwäbischen Alb. Sie lernen sich kennen, weil der junge Afghane sein kriegszerstörtes Land verlassen muss. Die Taliban haben seinen Vater getötet, die Mutter fürchtet, auch ihren einzigen Sohn zu verlieren und unterstützt ihn bei der Flucht. Über den Land- und Seeweg erreicht der Neunzehnjährige Deutschland und wird hier dem Alten Lager in Auingen zugewiesen. In einem Supermarkt kauft er eine Karte für sein Handy, aber das Aufladen ist kompliziert. Der junge Mann neben ihm erkennt die Situation und ist behilflich. So lernen sich Mirwais und Sebastian kennen. Heute sind sie dicke Freunde.

Das Beispiel zeigt, dass sich auch außerhalb der Asyl-Kreise tragfähige Bindungen ergeben. Man muss nur aufeinander zugehen. Sebastian Winkler (24) hat in Hohenheim Wirtschaftswissenschaft studiert und absolviert gerade ein Praktikum in einem Tübinger Unternehmen. Über Mirwais sagt er: „Er ist ein super lieber Kerl. Ein guter Repräsentant für sein Land. Ich verstehe auch sehr gut, dass er stolz auf seine Kultur ist.“ Dass er für seine Mutter und seine drei Schwestern Verantwortung übernimmt, merke man deutlich. „Er ist viel reifer, als es sein Alter vermuten lässt.“ Tatsächlich hat der Neunzehnjährige die Vaterrolle übernommen, als er die Schule beendete und bei einer amerikanischen Firma als Chauffeur einstieg. Mit dem Verdienst konnte er die Familie über Wasser halten, auch jetzt legt er jeden Cent auf die Seite, um Geld nach Hause schicken zu können. Seine guten Englischkenntnisse nützen ihm jetzt, Dolmetscher sind gesucht. Zudem spricht er schon gut Deutsch. Sebastian: „Er ist sprachbegabt und super ehrgeizig. Am liebsten würde er später als Lehrer arbeiten.“ Mirwais ist vorsichtig mit hochgesteckten Zielen. Er freut sich über seinen Job im Kleiderladen. „Es ist gut, dass ich dort helfen kann.“ Nichtstun würde ihn zermürben. Seine Mutter Karima ist froh, dass er in Sicherheit ist. Sie telefonieren täglich. Mit Sebastians Mutter Evelyn hatte sie an Weihnachten über Skype Kontakt und bedankte sich nicht nur mit Worten, sondern schickte ihr einen Schal aus der afghanischen Hauptstadt. Für den jungen Münsinger hatte sie eigens einen Kaftan genäht - maßgeschneidert. Für ihn das schönste Geschenk an Heiligabend, den sie selbstverständlich gemeinsam verbrachten.


„Wir verstehen uns bestens,“ sagt Sebastian. Der erste „Kulturschock“ in einer Disco, Chillen auf dem Stuttgarter Schlossplatz, Teetrinken in der Tübinger Altstadt – viel haben sie schon unternommen. Für Mirwais ist es ein Glücksfall, einen so guten Freund gefunden zu haben. „Er hilft mir sehr, sehr viel.“ GUDRUN GROSSMANN- Alb-Bote 2.1.2016

Scheckübergabe im Trommelwirbel

"Musik ist international, sie bringt die Menschen zueinander." Damit genau das die Münsinger Trommelgruppe weiter tun kann, gab es gestern dafür einen Scheck von Oberkirchenrat Dieter Kaufmann.

ULRIKE BÜHRER-ZÖFEL | 26.02.2016 0 0 0

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann überreichte der Münsinger Trommelgruppe einen Scheck. Den nahmen neben den Musikern auch die Mitglieder des Arbeitskreis Asyl Ina Kinkelin-Naegelsbach (r.) und Heike Halder entgegen.Foto: Ulrike Bührer-Zöfel

Oberkirchenrat Dieter Kaufmann überreichte der Münsinger Trommelgruppe einen Scheck. Den nahmen neben den Musikern auch die Mitglieder des Arbeitskreis Asyl Ina Kinkelin-Naegelsbach (r.) und Heike Halder entgegen.

Die Landeskirche hat einen Fonds eingerichtet für "Kleinprojekte mit und für Flüchtlinge". Der ist mittlerweile auf 650 000 Euro aufgestockt, "und eine großartige Sache", findet Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werks Württemberg. Von der profitiert jetzt die Trommelgruppe des Münsinger AK Asyl. Denn das Projekt, so Kaufmann, passt genau. Einen 2000 Euro-Scheck brachte er für die jungen Männer aus Gambia, Syrien, Irak und Afghanistan mit. Alle sind Asylbewerber und warten auf ihre Anerkennung.

Und da hilft es, "die Traumata in die Trommeln zu bringen, das Erlebte wegzutrommeln", sagt Heike Halder. Sie hat die Gruppe ins Leben gerufen, betreut sie regelmäßig, geübt wird im Alten Lager. Die Instrumente dafür hat sie zusammengeliehen, ihre eigenen zur Verfügung gestellt.

Jetzt müssen acht der ausgeliehen Djembe-Trommeln zurückgegeben werden. Eine kostet etwa 150 Euro. Außerdem brauchen manche der Musiker Stöcke - denn Afrikaner und Araber haben eine unterschiedliche Art und Weise zu trommeln. Beim wilden Rhythmus geht ab und an auch eine Trommel kaputt, die Stöcke sowieso. Die Männer schnitzen sie sich inzwischen selbst. Gebraucht werden für die Gruppe, die manchmal bis zu 20 Musiker zählt, auch diverse andere Rhythmusinstrumente. Wie das klingt? Die Gäste beim Neujahrsempfang in der Alenberghalle haben es erfahren, und es gab Riesenbeifall für die Trommler.

Genau das ist es, was mit den Geldern aus Stuttgart bewirkt werden soll - Kontakte herstellen, Anerkennung bekommen. "Musik schafft Brücken, ist eine Sprache, die jeder versteht", betonte Kaufmann gestern bei der Scheckübergabe in der Germania.

Er habe den Eindruck, die "Solidarität in der Gesellschaft ist groß, das Engagement ungebrochen". Die Kirche mache sich stark dafür, dass Flüchtlinge "hier einen Platz brauchen". Es sei wichtig, sich als Kirchengemeinde der "Verantwortung zu stellen, Heimat anzubieten". Zur Heimat gehört für ihn auch Familie. Deshalb findet Kaufmann das "Asylpaket 2", das die Bundesregierung verabschieden will, ein Ding der Unmöglichkeit: "Familien gehören zusammen."

Wie zuvor schon Kaufmann, betonte auch der Landessynodale Markus Mörike, die persönliche Begegnung sei "ein Schlüsselerlebnis". Dadurch würden nicht "die Flüchtlinge", sondern der einzelne Mensch mit seiner Lebensgeschichte wahrgenommen. Mit den Flüchtlingen "kommt in unsere Kulturlandschaft etwas Neues herein - und das bereichert". "Es kommen immer mehr Flüchtlinge, und immer mehr Menschen" helfen ehrenamtlich mit. Man könne fast schon von einem Wettbewerb der Gemeinden untereinander sprechen, "wenn die das schaffen, dann bekommen wir das auch hin".

Jüngstes Beispiel Dottingen: Dort sind zur Infoveranstaltung 400 Besucher, zur Gründung des Helferkreises 40 Bürger gekommen (wir haben berichtet). Die Landessynode stelle für die Flüchtlingsarbeit Geld und Personal zu Verfügung, ebenso sei es unerlässlich, dort, wo es Angebote gebe, die Menschen "zu unterstützen, sie zu ermutigen".

Asylarbeit funktioniert nur mit Vernetzung. Ein Partner ist da zum Beispiel die Germania, "als Ort der Asylarbeit", so Ina Kinkelin-Naegelsbach, Leiterin der Diakonischen Bezirksstelle Münsingen. Ebenfalls ein wichtiger "Integrationspartner", ist die Stadt. Rebecca Hummel ist im Rathaus für die Koordination zuständig. Das Alte Lager muss bis Ende April geräumt werden. Damit die Trommelgruppe dann nicht ohne Übungsraum dasteht, ist Hummel schon auf der Suche und sicher, "da finden wir was". Außerdem erlebt sie es als "unglaublich toll, was hier alles ehrenamtlich läuft".

Dankeschön-Fest im Alten Lager


Die Flüchtlingsunterkunft im Alten Lager wird bis Anfang April geräumt.

Deshalb wurde es nun Zeit Abschied zu nehmen. Auch wenn viele traurig sind, dass die Flüchtlingsunterkunft aufgelöst werden muss, sollte das Abschiedsfest von Dankbarkeit geprägt sein.

Am Freitag, 11. März 2016 trafen sich am Nachmittag einige der Sozialarbeiter und ehrenamtliche Helfer des Arbeitskreis Asyl und des CVJM Münsingen.

In einer kurzen Ansprache von Nico äußerte er, dass er am Anfang skeptisch war, wie so viele Männer aus unter-schied-ichen Nationen und Sprachen, miteinander klar kommen sollen.

Jedoch hätten die Männer es richtig gut gemeistert und immer wieder selbst Lösungen bei Konflikten gefunden.

Er bedankte sich bei allen ehrenamtlichen Helfern und überreichte stellvertretend für alle Frank Hintzenstern und Fritz und Ruth Pfleiderer ein Geschenk.

Der Arbeitskreis Asyl bedankte sich wiederum bei den Sozialarbeitern mit einem Blumengruß.

Die Übersetzer drückten seitens der Flüchtlinge ihren Dank an alle Sozialarbeiter und Ehrenamtlichen aus.

Im Anschluss daran tanzten wir mit unserer französischen Deutschlehrerin Christiane einen Begrüßungstanz.Danach gab es dann für alle Gebäck, Kaffee und Tee.

Im Unterrichtsraum zeigte Frank Bilder von den letzten 6 Monaten. Dabei erfuhren auch die Ehrenamtlichen von Aktivitäten der anderen.

In meinen Augen war es ein fröhliches Dankeschön-Fest. Es tat gut, gemein-sam zu lachen und sich an gemeinsame Erlebnisse zu erinnern. Besonders schön fand ich auch, dass das Fest gemeinsam vom Arbeitskreis Asyl und Ehrenamtlichen des CVJM vorbereitete wurde.


Mit freundlichen Grüßen,


Annette Hirrle