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CVJM Asyl- Kleidershop

Begegnungen zwischen Jacken und Hosen
Bericht von Gisela Keller


Mehr als nur Grundversorgung Flüchtlinge: Kleiderkammer des CVJM im Alten Lager

Die große weite Welt ist in Münsingen angekommen. In der Kleiderkammer im Alten Lager kann man ihr zwischen Jacken, Hosen, Pullovern und Schuhen begegnen. In welcher Sprache sich die drei modebewussten jungen Männer wohl darüber unterhalten, ob der Anorak nun passt oder doch zu weit ist? Je nach Hautfarbe und Herkunftsland kann es Arabisch sein, Tigrinya aus Eritrea, Kurmandschi aus Syrien oder dem Nordirak, Paschtunisch und Dari aus Afghanistan - um nur einige zu nennen.


Seit dem ersten Schnee ist die Nachfrage nach warmer Kleidung und festen Schuhen merklich gestiegen. Aber immer noch kommen welche mit Flipflops an den bloßen Füßen zum Einkauf. Ganz ofensichtlich sind sie gut abgehärtet - entweder von zu Hause in irgendeinem fernen Bergland oder von der Flucht.


Nicht jeder der kommt kauft ein: Die Kleiderkammer hat auch Unterhaltungswert für die 290 Flüchtlinge, die das Schicksal auf die Alb verschlagen hat, wo sie nun in einer Warteschleife auf die Zukunft hängen. Und darauf angewiesen sind, dass jemand ihnen die unbekannte Welt erklärt, in der sie zufällig gelandet sind. "Das ist kein Bazar" müssen die Helfer immer wieder deutlich machen, wenn der eine oder andere versucht, die Preise, die sich im einstelligen Eurobereich und weniger bewegen, noch etwas herunter zu handeln. Oder sich gar um die Bezahlung irgendwie herum zu mogeln. Wie im Tafelladen gibt es nichts umsonst - ein gutes und wichtiges Prinzip.


Die Ehrenamtlichen haben inzwischen gelernt die Augen offen zu halten, weil hier nämlich keine Engel einkaufen sondern normale Menschen aber mit vielerlei existenzbedrohenden Erfahrungen. Lauter außergewöhnliche Lebensgeschichten stehen hinter denen, die zweimal wöchentlich vorbeikommen und die Kleiderständer durchsuchen. Ein junger Eritreer ist glücklich, als er einen Schal in seinen Landesfarben entdeckt. Der ältere Mann mit dem ernsten Gesicht, der nie lächelt und immer kommt, hat seine Patzigkeit gegenüber den Frauen an der Kasse inzwischen abgelegt.

Der Schneider aus Syrien würde am liebsten den ganzen Tag an der gespendeten Nähmaschine sitzen, zu Großes enger nähen und zu Langes kürzen.    


Seit September haben Fritz Pfleiderer, seine Tochter Annette Hirrle und der CVJM Münsingen in einem unbeschreiblichen Kraftakt einen kleinen Kosmos für Begegnungen geschaffen, unterstützt von rund 15 weiteren ehrenamtlichen Helfern. Aus der unmittelbaren Nothilfe, angesiedelt in einem einzigen Raum, ist nach zweimaligem Umzug nun im sogenannten "M4"- Gebäude ein freundlicher, übersichtlicher Kleidershop geworden, mit Umkleidekabine, bunten Kunstdrucken an den Wänden und einem Weihnachtsstern neben der Kasse.


Vom Erlös der Kleiderkammer konnte der CVJM unter Mithilfe der Asylbewerber noch weitere Räume im M4 renovieren und wohnlich einrichten. Sofas, Tischkicker und Tischtennisplatten waren willkommene Spenden. Mehrere Fernsehgeräte, jeweils für eine  andere Sprachgruppe, hat der Landkreis finanziert. Sogar ein Klavier gibt es, das früher in der Germania stand.

Fehlen nur noch etwas mehr Einheimische, die den Ankömmlingen aus der großen weiten Welt begegnen wollen. Immer wenn die Kleiderkammer geöffnet hat gibt es dazu gute Gelegenheiten: Dienstags von 10 bis 12 Uhr ist das Kunstatelier für alle bereit, freitags zur gleichen Zeit gibt es Spiele. Und immer auch eine Tasse Kaffee aus der neuen Maschine.


Gebraucht werden noch warme Kleidung, aber nur für Männer in kleineren Größen bis M. Außerdem Winterstiefel in den Größen 40 bis 44, abzugeben bei der Firma Hirrle am Jllig-Kreisel in Münsingen.


Freundliche Beratung gehört zum Angebot in der Kleiderkammer dazu.

Zeit für eine Tasse Kaffee und ein

gemeinsames Spiel bei

gleichzeitigem Deutschunterricht.







M4 Kleidershop

Foto Gisela Keller

Der Kleidershop ist Dienstags und Freitags von 10 -11.30 Uhr geöffnet

Wenn wir Mitarbeiterinnen finden, bieten wir gerne auch eine weitere Öffnungszeit am späten Nachmittag an.

Die Mitarbeiter machen abwechselnd Dienst und tragen sich selbstständig in die Doodle-Dienst-Liste ein.

Während dem Verkauf ist auch das Café geöffnet.